30.01.2026 | Fabian Ott
Die Frage, ob ERP in die Cloud geht, stellt sich in vielen Unternehmen kaum noch. Deutlich relevanter ist das Wie: Welches Cloud-Betriebsmodell passt zur eigenen Organisation – und wie gelingt der Weg dorthin mit vertretbarem Risiko?
SAP hat dafür zwei zentrale Programme etabliert, die aktuell in vielen S/4HANA-Roadmaps eine Schlüsselrolle spielen:
Beide verfolgen das Ziel, Unternehmen schneller in ein cloudfähiges ERP zu bringen. Sie unterscheiden sich jedoch spürbar in Standardisierungsgrad, Veränderungsdynamik und typischer Transformationslogik.
Warum SAP die Cloud-Programme so stark vorantreibt
Drei Treiber prägen die Entwicklung:
Damit wird klar: Cloudtransformation ist nicht nur Infrastruktur. Sie ist auch eine Business-Transformation, weil Standardisierung und Prozessdisziplin über Erfolg oder Frust entscheiden.
Public Cloud vs. Private Cloud: die Grundlage der Programme
Damit GROW und RISE nicht verwechselt werden, hilft die Zuordnung zum jeweiligen S/4HANA-Ansatz:
SAP S/4HANA Public Cloud
SAP S/4HANA Private Cloud
GROW with SAP ist SAPs Programm für Unternehmen, die auf S/4HANA Public Cloud setzen und schnell in einen standardisierten, skalierbaren Betrieb kommen möchten. Der Kern ist ein klarer Gedanke: Standardisierung ist der Beschleuniger, nicht die Einschränkung.
Damit ist GROW vor allem dann erfolgreich, wenn Organisationen bereit sind, Prozesse bewusst zu vereinfachen und sich an Best Practices zu orientieren. Das reduziert Komplexität, erleichtert Upgrades und schafft die Voraussetzung, Innovationen tatsächlich nutzbar zu machen – statt sie durch Sonderprozesse auszubremsen.
RISE with SAP ist SAPs Programm rund um die S/4HANA Private Cloud und wird häufig gewählt, wenn Unternehmen ihre ERP-Landschaft in Richtung Cloud entwickeln wollen, aber mehr Kontinuität benötigen – etwa aufgrund gewachsener Prozesse, Integrationsabhängigkeiten oder historischer Erweiterungen.
Wichtig ist die Einordnung: Private Cloud bedeutet nicht „alles bleibt wie es ist“. Auch hier gilt: Je höher der Grad an Individualisierung, desto größer werden typischerweise die Aufwände in Betrieb, Weiterentwicklung und bei späteren Veränderungen. RISE kann ein pragmatischer Weg sein, die Cloudreise zu starten und dabei schrittweise zu modernisieren – vorausgesetzt, Standardisierung wird nicht dauerhaft vertagt.
Ob GROW oder RISE: Der langfristige Nutzen entsteht nicht allein durch „Cloud als Betriebsort“, sondern durch schlanke Prozesse und saubere Daten. Denn:
GROW with SAP steht für Public-Cloud-Standardisierung und Geschwindigkeit. RISE with SAP steht für Private-Cloud-Transformation mit mehr Übergangsfähigkeit. Entscheidend ist nicht, welches Programm „besser“ ist, sondern welches Vorgehen zu Ihrer Prozesslandschaft und Veränderungsfähigkeit passt.
Wenn Sie das Thema Clean Core – als Grundlage für langfristige Wartbarkeit und Upgrade-Fähigkeit – vertiefen möchten, finden Sie dazu bereits einen passenden Beitrag:
https://www.ososoft.de/blog/clean-core-in-sap-s4hana
In weiteren Artikeln dieser Serie greifen wir außerdem Themen wie Erweiterungsstrategien, Side-by-Side-Ansätze und die Rolle der SAP BTP im Cloud-ERP auf.