14.01.2026 | Lars Manthey
Die Uhr tickt für die etablierten ERP-Landschaften der Versorgungsunternehmen. Mit dem absehbaren Ende der verlängerten Support-Fristen für SAP IS-U stehen viele Versorger vor einer Zäsur. Doch die bloße technische Notwendigkeit einer Migration greift zu kurz. Wer den Wechsel lediglich als IT-Pflichtaufgabe betrachtet, verkennt das Risiko – und die Chance. In einem Marktumfeld, das keine Wartezeiten duldet, wird das Abwarten zur Gefahr für die operative Handlungsfähigkeit. Die strategische Devise für die kommenden Jahre muss lauten: Schnell handeln, radikal standardisieren und konsequent automatisieren.
Der Abschied von der zentralen Versorgungswelt
Die Architektur der Altsysteme stammt aus einer Zeit der zentralen Energieerzeugung und unidirektionalen Lieferbeziehungen. Diese Ära ist vorbei. Die Energiewende hat den Markt fragmentiert und komplexer gemacht. Dezentrale Erzeuger, Prosumer und neue Geschäftsmodelle erfordern eine IT-Infrastruktur, die nicht nur verwaltet, sondern agiert.
Der Wechsel auf SAP S/4HANA Utilities bietet weit mehr als nur ein technisches Upgrade, er fungiert als Katalysator für eine umfassende Business-Transformation. Der größte Hebel liegt hierbei in der Rückkehr zum Standard. Jahrelang gewachsene Individualentwicklungen haben Prozesse zwar maßgeschneidert, aber auch starr und wartungsintensiv gemacht.
Die Zukunft gehört dem „Clean Core“-Ansatz. Durch radikale Standardisierung werden Ressourcen frei, die dringend an anderer Stelle benötigt werden. Nur wer seine Abrechnungs- und Kundenserviceprozesse hochgradig automatisiert, kann die exponentiell steigenden Datenmengen wirtschaftlich verarbeiten und in Echtzeit nutzen.
Ein weiterer Grund, warum die Transformation keinen Aufschub duldet, ist die enorme regulatorische Dichte des deutschen Energiemarktes. Die Vorgaben des BDEW und der Bundesnetzagentur ändern sich rapide. Themen wie die Marktkommunikation binden enorme Kapazitäten.
Veraltete, stark individualisierte Systeme reagieren träge auf jede neue Formatumstellung. Spezifische Anforderungen oder komplexe Prozessänderungen - wie im Rahmen des LFW24 – führen in historisch gewachsenen Systemlandschaften zu aufwendigen Anpassungsprojekten.
Ein standardisiertes S/4HANA-System eröffnet hier in Kombination mit Lösungen wie der MaCo Cloud völlig neue Effizienzpotenziale. Indem die Marktkommunikation standardisiert konsumiert wird, verlagert sich die Komplexität, der Entwicklungsaufwand und der Testaufwand der gesetzlichen Anpassungen auf den Provider. Notwendige Updates und Formatumstellungen werden zentral verantwortet, ohne interne Ressourcen zu binden. Wer hingegen an alten Strukturen festhält und versucht, diese Dynamik in Eigenregie zu bewältigen, riskiert, von der Regulatorik überrollt zu werden.
Die Migration auf S/4HANA ist die Voraussetzung, um im dynamischen Energiemarkt handlungsfähig zu bleiben. Es geht nicht darum, bestehende Prozesse 1:1 in ein neues System zu kopieren, sondern die Prozesslandschaft neu zu denken. Standardisierung und Automatisierung sind die einzigen wirksamen Antworten auf den Fachkräftemangel, den Innovationsbedarf und den regulatorischen Druck.
Der Zeitpunkt für die strategische Weichenstellung ist jetzt.